Therapie für Erwachsene

 

Eine große Anzahl seriöser wissenschaftlicher Studien belegt, dass Erwachsene mit ADHS ebenso wie betroffene Kinder und Jugendliche in ihrem täglichen Leben beeinträchtigt sind. Auch bei den Erwachsenen ist das Ausmaß der Beeinträchtigungen sehr unterschiedlich. 

Betroffene Erwachsene profitieren ganz genau so wie Kinder und Jugendliche von einem wiederholenden Störungsbildteaching (Psychoedukation) zur intensiven Auseinandersetzung des eigenen "Wahrnehmungs- und Reaktionsstils" bei ADHS. 

Sie leiden ebenso häufig wie Kinder an ängstlicher und/oder depressiver Verstimmung, vor allem dann, wenn sich der betroffene Erwachsene im Alltag als "selbstunwirksam" erlebt.

 

 

Typische Anzeichen von ADHS bei Erwachsenen

Als Folge des Erlebens der eigenen "Selbstunwirksamkeit" entwickeln Erwachsene mit ADHS zum Teil starke Selbstwertprobleme, trauen sich selbst so gar nichts mehr zu, (ver)zweifeln häufig an sich selbst. Dies führt bei vielen Betroffenen dazu, dass starke Ängste, Angststörungen und Symptome einer atypischen, agitierten, lavierten Depression oder Dysthymie entsteht. 

Ebenfalls typisch für Erwachsene mit ADHS sind emotionale Ausbrüche mit regelrechtem Kontrollverlust, wobei unter Umständen Dinge gesagt oder getan werden, die der Betroffene hinterher oft bereut.

Betroffene Erwachsene scheinen häufig irgendwie nicht richtig zuzuhören, reagieren oft einfach mit der ersten Spontanidee, die ihnen dazu einfällt, wobei Betroffene dazu ohnehin zu einem sprunghaften Denk- und Wahrnehmungsstil neigen. Die Kommunikation in Partnerschaften verläuft oft unbefriedigend, aber auch beruflich ecken viele betroffene Erwachsene bei Kollegen und Vorgesetzten an. 

Erwachsene mit ADHS sind häufig ebenso stimmungslabil wie Kinder und Jugendliche, haben nach wie vor deutliche Probleme "wohlüberlegt" Entscheidungen treffen zu sollen, entscheiden sich aus einem Bauchgefühl heraus oder gar nicht. 

Viele Betroffene haben ganz offensichtlich Schwierigkeiten damit sich selbst zu Organisieren, den Haushalt und die Finanzen zu managen. Gemäß dem Motto "ADHS ist das Syndrom der Extreme" gibt es durchaus Erwachsene mit ADHS die zunächst scheinbar keinerlei Probleme mit Selbstorganisation zu haben scheinen, erreichen dieses Maß der für sie subjektiv dringend benötigten Ordnung jedoch nur mit größter Anstrengung. 

Ein recht großer Teil der Erwachsenen mit ADHS scheint regelrecht auf der Suche nach Abenteuern zu sein, liebt riskante körperliche Aktivitäten (Extremsport, neigt dazu zu schnell zu mit dem Auto zu fahren). Viele Betroffene sind geradezu von einem unkonventionellen Lebensstil angezogen, entdecken gerne ferne Länder, experimentieren leider auch gerne mal mit unterschiedlichen Drogen. Auch im sozialen Bereich zeigt sich das typische "Sensation Seeking" von Betroffenen, die in einer subjektiv als sympathisch empfundenen Gruppe von Menschen regelrecht "enthemmt" wirken. Gleichzeitig fällt es ihnen auch im Erwachsenenalter schwer bei einer als "langweilig" empfundenen Umgebung dauerhaft ausreichend wach und aufmerksam zu bleiben.

Genauso wie Kinder und Jugendliche zeigen erwachsene Betroffene bei Zeitdruck eine schlechter werdende Schrift.

 

Wann ist der Erwachsene mit ADHS behandlungsbedürftig?

Sobald wichtige alltägliche Tätigkeiten wegen einer deutlichen Desorganisation erschwert werden und/oder der Betroffene das ständige Gefühl hat einfach keinen Durchblick mehr zu haben. Oder wenn der Erwachsene bei der Umsetzung von Aufgaben/Tätigkeiten aufgrund einer übertriebener, penibler Korrektur unverhältnismäßig verlangsamt ist.

Ebenfalls ist eine psychotherapeutische Hilfe in Betracht zu ziehen, wenn bereits eine komorbide (zusätzliche) Störung besteht, wie beispielsweise Depressionen, Ängste, Suchterkrankungen, oder wenn das Risiko eine komorbide Störung zu entwickeln hoch ist, wie zum Beispiel bei exzessivem Alkohol-/Nikotingenuss, bei einer ständigen Angst verrückt zu werden. Aber auch bei dem Gefühl einfach allen Geräuschen, Gerüchen oder anderen Wahrnehmungsreizen ausgesetzt zu sein und bei hoher psychomotorischer Unruhe.

Zudem sind Erwachsene mit ADHS dann behandlungsbedürftig, wenn aufgrund der typischen Symptomatik ein Arbeitsplatzverlust droht und/oder gravierende Partnerprobleme bestehen. 

 

Neuropsychotherapeutische Verhaltenstherapie für Erwachsene mit ADHS

Vor dem Hintergrund der individuellen Situation und Lebensumständen sowie unter dem Aspekt der jeweiligen Beeinträchtigungen durch die ADHS werden zusammen mit dem Betroffenen die individuellen Problembereiche erörtert, als auch konkrete Hilfen erarbeitet. 

Beispielsweise geht es bei erwachsenen Patienten in den therapeutischen Sitzungen oft um das Management der Zeit, der Finanzen, der Gegenstände, um eine verbesserte Kommunikation im beruflichen und familiären Umfeld, aber auch um die Kommunikation mit dem (Ehe)partner.